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Aus der Gemeinschaft in Eislingen

Von meiner Mutter weiß ich durchs Erzählen, daß die ersten Versammlungen im Kinderschüle in Kleineislingen stattfanden. Sie waren sehr gut besucht. Die Kinderschwester Luise Häderle hatte eine führende Rolle in der Stunde. Außer der Altpietistischen Gemeinschaft gab es noch eine Hahnische Gemeinschaft. Sie kamen in einem Privathaus zusammen. Als ich ungefähr 3 Jahre alt war, nahmen mich meine Eltern mit in die Stunde. Man kam im Betsaal der Lutherkirche jeden Dienstag um 20.00 Uhr und jeden Sonntag um 16.30 Uhr zusammen. Auch fanden zu meiner Kinderzeit gesegnete Evangelisationen in der Lutherkirche statt. Evangelist war Bruder Gottlieb Lauxmann aus Dettingen/Teck. Er war bei uns zu Gast. Die Kirche war voll. Seine Predigten waren vollmächtig und viele Menschen haben sich damals bekehrt. Er war der Freund unseres Hauses bis zu seinem Tod. Wenn Not am Mann war, so ist er oft eingesprungen und hat die Stunde gehalten. Sein Lieblingslied war: Es glänzet der Christen inwendiges Leben... Er sagte einmal zu mir: 'Bertale, geh nicht so so weit in die Welt hinaus mit ihren Versuchungen, sonst mußt du wieder so weit zurückkommen.'

In Eislingen lebte damals eine Frau, die das ganze Filstal und die Schwäbische Alb mit ihrer schwarzen Magie vergiftete. Fast kein Haus in Eislingen gab es, die nicht bei ihr waren und sich besprechen ließen, um von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Bruder Lauxmann sprach an einem Abend über Zauberei und Aberglauben und warnte öffentlich vor dieser Frau. In dieser Nacht hat er die Hölle und Satans Macht in unserem Haus erlebt. Das hat mich tief bewegt.

Erschüttert hat mich auch der Tod von Bruder Riehm. Er starb an einem Fasnachtsdienstag in der Stunde. Beim Singen fiel sein Buch auf den Boden. Er war sofort tot. Für ihn allerdings war es ein schöner Heimgang.

Nun hat sich auch in Eislingen eine Süddeutsche Gemeinschaft gebildet. Erst waren die Versammlungen in einem Privathaus. Ich kann mich noch an eine Evangelisation mit Bruder Hayder erinnern, dann haben sie ein kleines Kirchlein gebaut, das aber leider schon viele Jahre leer steht. Nun gibt es sie auch nicht mehr. In Eislingen sind wir allianzgesinnt und haben uns gegenseitig bei Evangelisationen erbaut. Auch ein Möttlinger Gemeinschaft ist entstanden. Zuerst trafen sie sich in Holzheim bei Bruder Böckel, dann in Eislingen Nord im Gemeindehaussaal der Christuskirche. Jetzt heißt die Gemeinschaft Allianz. Der Gnadenwagen ist oft durchs Filstal gefahren zu Evangelisationen und Zelteinsätzen und unsere Versammlungen haben auch etwas abbekommen.

 

Leider erleben wir es heute so, daß die Älteren sterben und Neue kommen nur ab zu, aber Gott sei Lob und Dank doch immer wieder einige dazu. In unserer Stunde hatte mein Vater Jahrzehntelang die Leitung bis zu seinem Tod 1974. Nachher weiß ich von keiner Leitung, bis Herr Veith eingesetzt wurde. Meine Mutter spielte das Harmonium bei uns bis zu ihrer schweren Polyarthritiserkrankung. Als Teenager habe ich dann die Opferabrechnung und das Harmoniumspielen von ihr übernommen.

Ich bin dankbar für die schönen und gesegneten Stunden, die ich in der Altpietistischen Gemeinschaft erleben durfte. Jeder Prediger und jede Schwester war ein Orginal und jeder hat seine Spuren und Segnungen hinterlassen. Mein Wunsch ist, daß der Herr Jesu unsere Gemeinschaft weiterhin segnen möge!

Berta Piazza