Bezirk

Aus der Gemeinschaft in Schlierbach

Nach mündlicher Überlieferung war es wahrscheinlich um 1930, als Bruder Lauxmann von Dettingen/Teck und etliche andere Brüder nach Schlierbach kamen, um hier eine Stunde zu beginnen. Ob sie aus eigenem Antrieb kamen, oder weil sie von den Schlierbachern gerufen wurden, kann nicht mehr festgestellt werden. Bruder Lauxmann hielt in diesen Jahren mehrere Evangelisationen in der Schlierbacher Kirche. Ihr guter Besuch und die geistliche Frucht daraus dürften der Grund für den Beginn der altpietistischen Gemeinschaft gewesen sein.

Da noch kein Gemeindehaus vorhanden war, fanden die Versammlungen unten im Pfarrhaussaal statt. Schon damals wurde die übliche, wöchentlich stattfindende Bibelstunde einmal im Monat von den Brüdern oder dem Prediger aus Göppingen gehalten. Sehr bald wurde auch eine wöchentliche Brüderstunde und am Samstagabend noch eine Brüdergebetsstunde eingerichtet. So bot die Gemeinschaft das Bild einer geistlich sehr lebendigen Versammlung. 1954 kam dann noch die Allianzgebetswoche zu Beginn des Jahres dazu.

Der erste Leiter war Christian Weiler ( gest. 1970). Nach dessen Tod übernahm Metzgermeister Wilhelm Hauser die Gemeinschaft, der leider sehr bald abberufen wurde, so daß ich dann in Pflicht genommen wurde.

Die Verkündigung von Bruder Lauxmann und manch anderer Evangelisten wie Bruder Rathlef, Pfr. Neumaier, Evangelist Weber u.a. war ganz klar auf Wiedergeburt, Vergebung der Sünden, Gotteskindschaft und die Hoffnung des ewigen Lebens ausgerichtet. Unter dieser Verkündigung war es etlichen Brüdern aus der Gemeinschaft geschenkt, die Stunde am Sonntagnachmittag weitgehend selbst zu bestreiten.

Dankbar wurde die sehr wertvolle Hilfe von Pfr. Fischer und Pfr. Hiller angenommen. Vor allem Pfr. Hiller mit seiner außerordentlichen Sprachenkenntnis und seiner wertvollen, vertiefenden Bibelkenntnis war für die Gemeinschaft ein Gottesgeschenk. Nicht zu vergessen sei der sehr gesegnete Verkündigungsdienst von Missionar Weiler. Als gebürtiger Schlierbacher kam er so oft wie möglich hierher und tat dann in der Gemeinschaft und in der Kirche Dienst.

Die Gemeinschaftsleute waren, wie wohl auch sonst im Land, die treuesten Kirchenbesucher. Im Kirchengemeinderat waren sie lange meist in der Mehrzahl. Man hatte auf die Frommen ein besonderes Augenmerk und wie könnte es anders sein, man stellte neben den guten Seiten auch manch andere fest. Jedenfalls wirkt bis heute aus langen Jahren mancher Tadel, aber auch manches Lob nach.

Heute sind wir eine kleine Gemeinschaft geworden durch Krankheit, Sterbefälle und auch durch Austritt. Aber wir sind auch eine Gemeinschaft, in der nicht nur von vorne gepredigt wird, sondern je und dann sich ein sehr lebhaftes Gespräch über den jeweiligen Text entfaltet. Und wir sind eine sehr geschwisterliche Schar.

Unsere kleine Zahl, diese Tatsache hat man nicht bloß bei uns zu überdenken. Aber eines sei klar, wir dürfen nicht nachlassen, unseren Herrn zu bitten, einen Hunger nach seinem Wort in unserer Gemeinde zu wecken und wir dürfen nicht nachlassen, dann immer wieder zu uns einzuladen.

Ernst Weiß